Tipps
Gender Training als Start für das Gender Mainstreaming
Natürlich wollen wir die wertvollen Informationen die wir in dieser Fortbildung erhalten haben nicht für uns behalten, sondern an Jene, die nicht dabei sein konnten weiterleiten. Deswegen haben wir hier das Programm, die Inhalte und die Ziele des Gendertrainings festgehalten.
Zieldefinition:
Ziel dieses Trainings war es, die TeilnehmerInnen für Geschlechterfragen zu sensibilisieren, ihnen die Instrumente des Gender - Mainstreamings vorzustellen und das neu erarbeitete Wissen danach an konkreten Beispielen aus der eigenen Arbeit anzuwenden. Dies sollte im Hinblick auf die BJV geschehen, damit Vorstellungen dafür entwickelt werden können, wie jeder und jede selbstständig an der Implementierung von Gender Mainstreaming mitarbeiten kann.
Einstiegsaktion:
Um uns an diesem frühen Samstagmorgen „wachzurütteln“ und aufnahmefähig zu machen startete das Programm mit einer Einstiegsaktion an der alle beteiligt waren. Aufgabe jeder und jedes Einzelnen war es, aus einer Fülle von ausdruckstarken Bildern von Personen drei auszuwählen, die wir in unserem „perfektem Team“ haben wollten. Danach fanden wir uns in zwei geschlechterhomogenen Gruppen wieder, um eben diese Bilder zu einem von der „Frauengruppe zusammengestellten perfektem Team“ und einem von der „ Männergruppe zusammengestellten perfektem Team“ auf Plakaten aufzukleben. Nach der Präsentation der Ergebnisse wurden wir von den TrainerInnen auf die Unterschiede in unseren Präsentationen hingewiesen, wobei sie betonten, dass diese Unterschiede nicht zu bewerten, sondern zunächst nur wahrgenommen werden sollten.
Im weiteren Ablauf wurden uns, nachdem wir unsere Erwartungen und Interessen formuliert hatten, die theoretischen Kernelemente des Gender Mainstreamings vorgetragen.
Gender als soziales Konstrukt:
Um mit dem Begriff „Gender“ weiterarbeiten zu können muss eben dieser erst näher erläutert werden. „Gender“ wird meist als „ Geschlecht“ in das Deutsche übersetzt, dabei wird oft übersehen, dass diese Begrifflichkeit weiter zu differenzieren ist.
Im Englischen existieren hier zwei Wörter:
„Sex“ , was das biologische Geschlecht, also die physiologischen und anatomischen Merkmale von Frauen und Männern bezeichnet.
Weiters spricht man von „Gender“ wenn man das sozial und kulturell konstruierte Geschlecht meint. Im Deutschen wäre dieser Begriff also eher mit „Geschlechterrollen“ zu übersetzen. Dies sind gesellschaftlich zugeschriebene Rollen, Rechte und Pflichten von Frauen und Männern. Das soziale Geschlecht ist nicht endgültig festgelegt, sondern veränderbar, da soziale und kulturelle Unterschiede erlernt sind. Genau an diesem Punkt setzten unsere TrainerInnen an.
Männliche und weibliche Eigenschaften sind soziale Zuschreibungen, die nicht vom biologischen Geschlecht abhängig sind und im alltäglichen Umgang durch Selbstwahrnehmung und Fremderwartungen immer wieder neu festgeschrieben werden. Geschlechterrollen differenzieren sich vielfältig durch Alter, ethnische Herkunft, sexuelle Orientierung, Religion, körperliche Befähigung, Bildungshintergrund, Kultur etc.
Die TrainerInnen versuchten uns klar zu machen, wie wichtig es ist, sich die Konstruktion der Geschlechterrollen bewusst zu machen. Es ist notwendig auf ihre fiktive Zwangsläufigkeit immer wieder hinzuweisen um sie in einem nächsten Schritt aufzulösen.
Dazu gehört nicht nur ein Umdenken, sondern Gender Mainstreaming verlangt auch nach Handlungsinitiativen. Denn um diese Rollenzuschreibungen umzuwälzen, müsste ein kollektives Umdenken stattfinden, welches nur durch konkrete Schritte umgesetzt werden kann.
Als Übung dazu wurden die Anwesenden gebeten, mit kritischem Blick die eigenen Organisationen und deren Methoden, Konzepten und Rollenverteillungen zu beleuchten, und festzustellen, durch welche gesellschaftspolitischen Strategien sie ein Umdenken herbeiführen könnten.
Was ist Gender Mainstreaming?
Gender Mainstreaming bedeutet nicht nur die Sensibilisierung für Geschlechterfragen auf allen Entscheidungsebenen, es bedeutet auch gemeinsam gender – orientierte Problemlösungen zu entwickeln, was eine Veränderung der Strukturen und Inhalte meint. Führungskräfte sollten diesen Ansatz vertreten, Verantwortung übernehmen und Mitarbeitende bei der Anwendung unterstützen, denn alle Mitarbeitenden sind handelnde Akteure und Akteurinnen. Es geht um die Wahrnehmung der Differenzen, deren Kommunikation und Aufhebung durch spezifisch handhabbare Instrumente.
Instrumente und Methoden:
In einem letzten Schritt gingen wir daran, das großteils neu erworbene Wissen in kleinen Arbeitsgruppen an konkreten Beispielen zu erproben. Zur Anwendung standen uns folgende Instrumente zur Verfügung:
a. Genderanalyse von Organisationen
b. Gender Impact Assessment ( GIA)
c. Arbeitsanalyse
d. Gender – Leitfragen Projektplanung
Detaillierte Arbeitsblätter zur Anwendung der Instrumente des Gender Mainsteamings erhältst du bei uns unter der Telefonnummer + 43 (0)1 214 44 99!
Die Arbeitsgruppen präsentierten anschießend ihre Ergebnisse, woraufhin diese in der Gruppe nochmals analysiert und kritisch hinterfragt wurden.
Egal mit welchen der vier Instrumenten gearbeitet wurde ist, zunächst eine kritische Bestandsanalyse zu machen, das heißt, statistische und sonstige Daten zu sammeln und festzustellen, ob überhaupt Ungleichheiten bestehen und wenn ja, in welcher Form. Was für Maßnahmen wurden bereits gesetzt? Woran ist man bei früheren Initiativen gescheitert? Danach sollen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die eine „gendergerechte“ Zielerreichung ermöglichen. Diese Schaffung von Rahmenbedingungen ist ein Prozess an dem sowohl Männer als auch Frauen beteiligt sein sollten.
Resümee:
Abschließend lässt sich zusammenfassen, dass das Gendertraining von allen Beteiligten als Bereicherung wahrgenommen wurde. Dadurch, dass der theoretische Input sofort praktisch an Fallbeispielen oder in kleinen Arbeitsgruppen erprobt wurde, entwickelte sich leichter ein allgemeines Verständnis für die Materie. Doch auch wenn die TeilnehmerInnen sich aktiv und konstruktiv mit der Problemstellung befassten, ist zu betonen, dass dies nur einen Anfang darstellt. Denn dieses neu erworbene Wissen oder Verständnis gilt es nun tatsächlich zu implementieren. Damit Gender Mainstraeming in Zukunft als Selbstverständlichkeit wahrgenommen wird, sind viele Schritte, wie: Nachbesprechungen in den einzelnen Organisationen, gezielte Weiterleitung von Informationen, die Berücksichtigung des Gender Aspektes bei der Planung eines jeden Projektes etc, notwendig.
Wichtig ist, dass Gender Mainstreaming nicht in den Händen der Frauen alleine liegt. Wenn man Gleichberechtigung als ein zu realisierendes Projekt betrachtet, sollte man die Umsetzung gemeinsam angehen, denn nur dann kann ein kollektives Umdenken ins Rollen gebracht werden.
Information& Kontakt
Falls deine Neugierde zu diesem Thema noch nicht gestillt ist oder du vor hast ein Gendertraining für dein Büro oder deine Organisation zu veranstalten, dann haben wir hier für dich die richtigen Kontaktadressen:
TrainerInnen:
Angelika Blickhäuser: blickhaeuser@t-online.de
Henning von Bargen: vonbargen@boell.de
Mehr Informationen unter:






